Warum ich statt noch eines DSGVO-Tools einen KI-Verordnung-Scanner gebaut habe
März 2026 · Damir Andrijanic · 6 Min. Lesezeit
Als ich im Mai 2025 von Kroatien nach Deutschland gezogen bin, hatte ich ein klares Ziel: Neben meinem normalen Job wollte ich mein eigenes SaaS bauen. Klein, nützlich, profitabel. Ein echtes Problem lösen, nicht nur Features bauen.
Wie bei vielen Entwicklern in Europa war mein erster Gedanke: DSGVO. Cookie-Banner nerven alle, aber jede Website braucht sie. Klang nach einem perfekten Markt. Bis ich tiefer reingeschaut habe.
Gegen Windmühlen kämpfen
Mir wurde schnell klar: Der DSGVO-Markt ist komplett überfüllt. Große, gut finanzierte Anbieter dominieren alles. Um überhaupt mitzuspielen, hätte ich monatelang nur den Standard nachbauen müssen — und danach jahrelang um jeden einzelnen Nutzer gekämpft. Als Solo-Entwickler ist das kein realistischer Kampf.
Ich brauchte ein Feld, in dem die Spielregeln noch nicht von den Großen festgelegt sind. Genau da tauchte beim Arbeiten mit OpenAI- und Gemini-APIs immer wieder derselbe Begriff auf: EU KI-Verordnung.
Die "Ist meine App illegal?"-Panik
Am Anfang dachte ich ehrlich: Das ist einfach "DSGVO für KI". Also noch ein Häkchen irgendwo auf der Website: "Ja, wir nutzen KI." Falsch gedacht.
Die EU KI-Verordnung ist kein Datenschutzgesetz, sondern Produktsicherheitsrecht. KI-Systeme werden nach Risikoklassen eingestuft. Und genau da wird es ernst: Bei Verstößen drohen bis zu 7% des weltweiten Umsatzes oder 35 Mio. Euro Strafe. Plötzlich haben Gründer und CTOs überall dieselben Fragen gestellt: "Unser HR-Tool hat jetzt KI-Parsing — ist das High Risk?" "Brauchen wir für unseren RAG-Chatbot eine CE-Kennzeichnung?" "Wenn wir nur OpenAI nutzen: Wer haftet, wir oder OpenAI?"
Es gibt keine einheitliche „harte August-2026-Deadline“ für jedes High-Risk-System. Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 gelten ab 2. August 2026. Der 2026 vereinbarte, standardgebundene Zeitplan sieht als späteste Termine den 2. Dezember 2027 für Systeme aus Anhang III und den 2. August 2028 für Systeme nach Anhang I vor. Der erste Schritt ist daher die korrekte Einordnung von System, Rolle und Pflicht — nicht die Annahme, jedes KI-Feature benötige bis zu einem einzigen Datum eine Zertifizierung.
Offizielle Quellen: EU-Zeitplan für High-Risk-Regeln · Leitlinien zu Artikel 50
Das Problem mit den bisherigen Lösungen
Als ich nach einem Tool gesucht habe, das diese Fragen klar beantwortet, gab es nur zwei Extreme:
- Juristenhonorare von 300 Euro pro Stunde: Sie zahlen Tausende Euro und erhalten am Ende häufig ein „Es kommt darauf an“ im Juristendeutsch.
- "Enterprise Compliance"-Monster: teuer, schwergewichtig, monatelange Integration und komplizierte Dashboards.
Für Solo-Entwickler, kleine Agenturen und mittelgroße Start-ups gab es praktisch nichts. Kein Tool erklärte in klarer Sprache: „Das ist Ihr Risiko, das ist Ihre Aufgabenliste.“
Also habe ich es selbst gebaut.
ComplianceRadar: Zwei Wochen Code und ein Kleingewerbe
Statt monatelang zu planen, habe ich direkt angefangen. Zwei intensive Wochen, viele Abende, viele Wochenenden.
Ich habe KI genutzt, um den dichten, 150-seitigen Gesetzestext in einen logischen Entscheidungsbaum zu überführen. Nach diesen zwei Wochen stand ein funktionierendes MVP. Am darauffolgenden Montag habe ich mein Kleingewerbe angemeldet.
So ist ComplianceRadar entstanden.
Ich wollte keine überladene All-in-one-Plattform bauen, sondern ein fokussiertes Werkzeug, das stundenlanges Lesen von PDFs und teure Beratung reduziert.
Genau dabei unterstützt Sie ComplianceRadar:
- Sofortige Risikoklassifizierung: Sie geben eine URL oder einen Anwendungsfall ein und erhalten unmittelbar eine Einstufung als minimales, begrenztes, hohes oder unannehmbares Risiko.
- Umsetzbare Entwickler-Checklisten: Wenn Transparenzpflichten aus Artikel 50 greifen, liefert das Tool konkrete Hinweise für Kennzeichnung, Nutzerinformation und Produkt-UI.
- Sicherheit und Tempo: Die Entwicklung muss dafür nicht wochenlang pausieren. Prüfen, beheben, veröffentlichen.
Meine Learnings für andere Entwickler
Wenn Sie ein eigenes SaaS entwickeln, sollten Sie nicht in vollständig gelöste Märkte einsteigen. Noch ein Aufgabenplaner, CRM oder Cookie-Banner-Generator schafft selten einen tragfähigen Unterschied.
Suche nach Problemen, die gerade echten Druck verursachen — dort, wo Leute Lösungen googeln und nur teure Beratung finden. Aktuell ist das die KI-Verordnung.
Wenn Sie ein teures und akutes Problem einfach sowie bezahlbar lösen, entsteht ein überzeugender Nutzwert.
Behandle den 2. August 2026 nicht als pauschale High-Risk-Deadline. Prüfe anhand aktueller Primärquellen zuerst Risikoklasse, Rolle und tatsächlich anwendbare Pflichten.
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