So habe ich einen Freemium-Funnel für ein B2B-Compliance-Produkt gebaut
März 2026 · Damir Andrijanic · 5 Min. Lesezeit
Wenn du als Solo-Entwickler ein B2B-SaaS baust, hast du einen massiven Nachteil: Du hast kein Sales-Team.
Du kannst nicht jeden Tag Demo-Calls machen oder aufwendig Deals vorqualifizieren. Dein Produkt muss sich selbst verkaufen. Viele nennen das Product-Led Growth — praktisch heißt es: Dein Funnel darf nicht leaken.
Bei ComplianceRadar war klar: Der Kernwert ist der Compliance-Report. Die entscheidende Frage war nur: Was gebe ich kostenlos raus, und wann frage ich nach der Kreditkarte?
Das Kernproblem: Zu viel kostenlos vs. zu wenig Vertrauen
Gibst du zu viel kostenlos raus, zahlt niemand. Gibst du zu wenig, springen Nutzer ab, bevor sie den "Aha"-Moment erreichen.
In Compliance-Tools heißt der Standard oft: "Book a Demo". Als Nutzer hasse ich das — also wollte ich es als Gründer auch nicht.
Ich habe den Wert in zwei Teile zerlegt: Diagnose und Heilung.
- Diagnose ist kostenlos: "Brechen wir gerade das Gesetz?"
- Heilung ist bezahlt: "Was müssen wir konkret in Produkt, Text und Prozess ändern?"
Schritt 1: Zero-Friction Einstieg
Der Funnel startet auf der Landingpage ohne Signup-Blocker. Nur ein Feld: Beschreib dein KI-System oder gib deine URL ein.
Ohne Auth-Wall gibt es sofortige Belohnung. Du klickst auf "Scan", die Radar-Animation läuft, und der kurze Wait zeigt: Im Hintergrund passiert echte Arbeit.
Schritt 2: Teaser-Report als "Aha"-Moment
Nach dem Scan sieht der Nutzer direkt die kostenlose Einstufung: die Risikoklasse.
Minimal, Limited, High oder Unacceptable Risk unter der EU KI-Verordnung. Genau hier kippt Unsicherheit in Klarheit. Vertrauen entsteht — und darunter beginnt der eigentliche Funnel.
Schritt 3: Die unscharfe Paywall
Die vollständige, umsetzbare Checkliste war bereits da — inklusive konkreter Transparenz- und Dokumentationspflichten. Ich habe sie nur nicht hinter einem generischen "Upgrade"-Banner versteckt.
Stattdessen habe ich den echten Report gerendert und per CSS stark geblurt.
Psychologisch wirkt das enorm: Man sieht, dass die Lösung existiert und nur einen Klick entfernt ist. Du verkaufst kein Versprechen — du verkaufst Klarheit.
Schritt 4: Stripe und nahtloser Handoff
Nach "Unlock Full Report" kommt keine verwirrende Preistabelle, sondern eine klare Wahl:
- 29 € einmalig: Gib mir den PDF-Report, damit ich ihn intern weitergeben kann.
- 49 €/Monat: Überwache meine Seite laufend, wenn sich die KI-Verordnung weiterentwickelt.
Klick -> Stripe Checkout -> Webhook -> Datenbank-Update -> Blur weg. Keine manuelle Nacharbeit, keine Verzögerung.
Die technische Realität dahinter
Das war nicht nur UI/UX, sondern saubere Backend-Architektur.
Die freien Scan-Daten mussten zuerst sauber zwischengespeichert werden (Session/Local-ID), damit sie beim Login über NextAuth korrekt dem neuen Nutzerkonto zugeordnet werden. Wenn dieser Handoff schiefgeht, bekommst du Refund-Anfragen statt Wachstum. Mit Prisma und sauberem Schema war der Übergang von "anonym" zu "paid" stabil.
Takeaway
Ein guter B2B-Funnel respektiert die Zeit deiner Nutzer.
Lass Nutzer erst den "Was"-Wert kostenlos erleben und verlange einen fairen Preis für das "Wie". Kombinierst du transparente Wertkommunikation mit reibungslosem Checkout, verkauft das Produkt selbst.
Ich bin Damir, Full-Stack KI Systems Engineer. Ich baue Produkte, die regulatorisch und technisch komplexe Probleme praktisch lösen.
Wenn du den Funnel live sehen willst, teste den Scanner auf complianceradar.dev ↗